Aufrufer 2016

AG Neuengamme +++ AK AntiRassimsus ver.di +++ AK Frieden ver.di +++ Auschwitz-Komitee in der Bundesrepublik Deutschland e.V. +++ Bündnis Hamburger Deserteursdenkmal +++ Deutscher Freidenker-Verband, Landesverband Nord e.V. +++ DFG-VK Gruppe Hamburg +++ DiDf +++ DIE LINKE. Landesverband Hamburg +++ DKP Hamburg +++ FIDEF-Hamburg (Föderation der Arbeiter_innenvereine in der BRD) +++ GEW Landesverband Hamburg +++ Hamburger Bündnis gegen Rechts +++ Hamburger Forum für Völkerverständigung und weltweite Abrüstung e.V. +++ HDK-Hamburg (Demokratischer Kongress der Völker) +++ Jugendweihe Haburg e. V. +++ Kämpfer und Freunde der Spanischen Republik 1936–1939 e. V. (KFSR) +++ Kuratorium Gedenkstätte Ernst Thälmann +++ Landesverein der Sinti in Hamburg e. V. +++ Mechadasch Hamburg +++ RussPublika +++ Schulsprecher Stadtteilschule am Hafen +++ St. Pauli-Archiv e. V. +++ VVN-BdA Hamburg +++ Willi-Bredel-Gesellschaft Geschichtswerkstatt e.V. +++ Wohn- und Ferienheim Heideruh e.V.

Stand: 10. März Erster_Aufruf_FDB_web_160321_v03

Hamburger Erklärung zum 8. Mai 2015

8. Mai 1945 – Tag der Befreiung Chance für Frieden und Demokratie in Europa

Am 8. Mai 1945 wurde nahezu ganz Europa von Faschismus und Krieg befreit. In Deutschland erlebten in erster Linie die überlebenden Verfolgten und Widerstandskämpfer_innen diesen Tag als Befreiung. Aber auch wir alle, die wir heute leben, verdanken die Chance eines Lebens in Frieden, Freiheit und Vielfalt den Siegern des 8. Mai. Die alliierten Streitkräfte, unter denen die Rote Armee mit Abstand die größte Last des Krieges in Europa zu tragen hatte, sind und bleiben auch unsere Befreier. Mit besonderer Dankbarkeit erinnern wir an den Beitrag, den der deutsche antifaschistische Widerstand in Deutschland, in der Emigration, als Teil von Partisanenverbänden und in den Streitkräften der Anti-Hitler-Koali6on geleistet hat.

Mehr als 55 Millionen Menschen fielen Nazi-Terror, Holocaust und Vernichtungskrieg zum Opfer. Sie bezahlten den deutschen Griff nach der Weltherrschaft mit unvorstellbarem Leid und ihrem Leben. Noch in den letzten zwei Wochen vor der Befreiung Hamburgs, wurden 71 Männer und Frauen aus dem Konzentrationslager Fuhlsbüttel im KZ Neuengamme grausam ermordet. In der Schule Bullenhuser Damm, damals ein Außenlager des KZ Neuengamme, erhängte am 20. April 1945 die SS 20 jüdische Kinder mit ihren vier Pflegern und 24 sowjetische Häftlinge. Weit über zehntausend Häftlinge des KZ Neuengamme verloren noch ihr Leben in sogenannten „Auffanglagern“, beim Untergang der „Cap Arcona“ in der Ostsee oder durch Tötungen während der Todesmärsche, auf die sie gezwungen wurden. Die deutsche Wirtschaft, allen voran Chemie- und Rüstungsindustrie und Banken waren die Gewinner von „Arisierung“, Krieg und der Ausbeutung von KZ-Häftlingen und Zwangsarbeiter_innen. Diese Gewinne bildeten eine wichtige Grundlage des „Wirtschaftswunders“ in der Bundesrepublik, während die Opfer um jede Mark Entschädigung kämpfen mussten und bis heute kämpfen müssen.

In nahezu allen ehemals von Nazi-Deutschland besetzten Ländern wurden der 8. und/oder 9. Mai gesetzliche Feiertage, das war auch in der DDR der Fall. Genau 40 Jahre hat es gedauert, bis ein Präsident der Bundesrepublik an einem 8. Mai von Befreiung gesprochen hat. Bis dahin hatte die Sicht der Nazis, der Deutsch-Nationalen, der „Frontkämpfer“, der Profiteure, Mitläufer und Zuschauer das offizielle Vokabular geprägt: Zusammenbruch, Kapitulation, Niederlage, Besatzer, Neubeginn. Mit Weizsäckers Rede wurde die Perspektive der Verfolgten des Nazi-Regimes „gesellschaftsfähig“.

Wir fordern, dass der 8. Mai als Tag der Befreiung von Faschismus und Krieg endlich auch in Deutschland ein gesetzlicher Feiertag wird.

Wir wissen, dass die Früchte des 8. Mai stets gefährdet sind. Rassismus, Chauvinismus, Antisemi6smus und Antiziganismus, Islamfeindlichkeit – alle möglichen Ideologien zur Begründung sozialer Ungleichheit und gesellschaftlicher Ausgrenzung haben Konjunktur. Wir wissen, die soziale Spaltung der Gesellschaft hat ein Ausmaß erreicht, in dem die Angst vor dem Abstieg Anpassungsdruck und Ausgrenzungsbereitschaft erhöht. Wir erleben, dass Grundrechte immer weiter eingeschränkt werden. Wir sehen mit Sorge, wie unbarmherzig unsere Gesellschaft Flüchtlingen gegenübertritt und gewaltsame Übergriffe duldet. Zugleich wird antifaschistische Gegenwehr kriminalisiert. Der rasante Aufstieg neofaschistischer und rechtspopulistischer Kräfte in nahezu allen europäischen Ländern verlangt entschiedenen Widerstand.

Der Wiedereintritt Deutschlands in die Reihe der Krieg führenden Länder stellt einen Bruch mit dem Nachkriegskonsens „Es soll nie wieder Krieg von deutschem Boden ausgehen“ als wichtigste Lehre aus der jüngeren deutschen Geschichte dar. In vielen Ländern der Welt, im Irak, in Syrien, in der Ukraine und in weiten Teilen Afrikas toben Kriege. Wieder sind deutsche Waffen – und  auch deutsches Militär – beteiligt. Die Bereitschaft, „deutsche Interessen“ erneut mit militärischen Mitteln durchzusetzen ist in Regierung und Bundestag gegen den Willen der Mehrheit der Bevölkerung wieder politische Praxis geworden.

Gerade darum wollen wir den Tag zum Feiertag machen, den die Überlebenden als „Morgenröte der Menschheit“ erlebt haben, wie es der als Jude und Kommunist verfolgte Résistance-Kämpfer Peter Gingold ausgedrückt hat. Wir wollen am 8. Mai vor allem an die Hoffnung der Befreiten auf eine Welt ohne Kriege, Elend und Unterdrückung erinnern und diese als Impuls nehmen, weiter an der Schaffung einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit zu arbeiten, so wie es die befreiten Häftlinge von Buchenwald geschworen haben. In diesem Sinne rufen wir auf:

Nie wieder Faschismus – nie wieder Krieg!

Aufruf: Fest der Befreiung in Hamburg 2016

1Mai 1945: Befreiung Europas von Faschismus und Krieg

Am 8. Mai 1945 war nahezu ganz Europa von Faschismus und Krieg befreit. In Deutschland erlebten natürlich zunächst die überlebenden Verfolgten und Widerstandskämpfer und Widerstandskämpferinnen diesen Tag als Befreiung, aber auch wir alle, die wir heute leben, verdanken die Chance eines Lebens in Freiheit und Vielfalt den Siegern des 8. Mai. Die alliierten Streitkräfte, unter denen die Rote Armee mit Abstand die größte Last des Krieges in Europa zu tragen hatte, sind und bleiben auch unsere Befreier. Mit besonderer Dankbarkeit erinnern wir an den Beitrag, den der deutsche antifaschistische Widerstand in Deutschland und in der Emigration, als Teil von Partisanenverbänden und in den Streitkräften der Anti-Hitler-Koalition geleistet hat.

Unser Auftrag heute:

Rassisten und Nazis entgegentreten!

Von der Ukraine über Ungarn und Polen bis zum Nord-Pas-de-Calais – Europa rückt nach rechts. Auch in Deutschland nimmt die extrem rechte und rassistische Mobilisierung Ausmaße an, die wir uns noch vor wenigen Jahren kaum vorstellen konnten. Woche für Woche tausende hasserfüllte Demonstrierende in Dresden und Erfurt, rassistische Hetze und Gewaltandrohungen als Massenphänomen im Internet, eine Partei, die auf dieser Welle in die Parlamente reitet und deren Repräsentantinnen Schutz Suchende mit Waffengewalt am Grenzübertritt hindern wollen, terroristische Angriffe auf Geflüchtete, ihre Unterkünfte und Unterstützerinnen und Unterstützer gehören inzwischen zum Alltag. Statt den rechtspopulistischen und neofaschistischen Umtrieben entschieden entgegenzutreten, glauben verantwortliche Politiker offensichtlich, sie durch Entgegenkommen und Übernahme ihrer Forderungen „neutralisieren“ zu können. Dies hat sich in unserer Geschichte bereits einmal als verhängnisvoller Fehler erwiesen.

Antifaschistinnen und Antifaschisten sind in der Pflicht, breite Teile der Gesellschaft zum Widerstand gegen Rassisten und Nazis zu mobilisieren und den Widerstand zu organisieren, wo immer Nazis und Rassisten ihren Hass, Hetze und Niedertracht in die Öffentlichkeit tragen.

Solidarität mit allen Geflüchteten organisieren!

Die Zahl der Flüchtlinge ist weltweit mit 60 Millionen auf einem Höchststand. Im Schatten des „freundlichen Gesichts“, mit dem die Bundeskanzlerin am 30. August die Grenzen öffnen ließ wurde inzwischen das Asylrecht zwei Mal weiter eingeschränkt. Nicht Fluchtursachen werden bekämpft, sondern Fluchtwege versperrt. Dazu werden Verfolgerstaaten aufgerüstet und das Mittelmeer militarisiert. Wir wissen, wer immer aus seiner Heimat flieht, hat Gründe, die auch mit deutscher Politik zu tun haben: Waffenexporte, die Jagd nach billigen Rohstoffen und Absatzmärkten tragen zur Zerstörung von Staaten und Lebensgrundlagen bei.

In der Tradition der befreiten Häftlinge des KZ Buchenwald kämpfen wir um die neue Welt des Friedens und der Freiheit, in der kein Mensch mehr über Wüsten und Meere vor Kriegen, Verfolgung und Hungertod flüchten muss. Wer heute hier Schutz sucht, hat das Recht auf unsere Solidarität. Deshalb treten wir ein für die gleichberechtigte Teilhabe aller, die in unserer Stadt leben: Wohnung, Bildung, Arbeit für alte und neue Hamburgerinnen und Hamburger sind Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes Leben und solidarisches Miteinander.

Kriege stoppen!

Deutschland rüstet weiter auf und führt weiter Kriege. Neben dem völkerrechtswidrigen Eintritt in den „Krieg gegen den Terror“ in Syrien, der die ganze Region immer weiter destabilisiert, weitet die Bundeswehr ihren Einsatz in Mali aus. In Schulen, Berufsberatung und Jobcentern wird Nachwuchs für die Truppe rekrutiert. Nach wie vor werden Militärgüter in Krisenregionen geliefert, damit sich die Waffenproduktion für die Rüstungsindustrie richtig lohnt. Die Dämonisierung Russlands sehen wir mit Sorge.

Kriege lösen keine Probleme. Sie schaffen und vergrößern Hass, Leid und Not und sind Grundlage für den Terror, den sie angeblich bekämpfen.

Wir fordern den sofortigen Rückzug der Bundeswehr aus allen Einsatzgebieten und die Rückkehr zu den Beschränkungen des Grundgesetzes.

Wir fordern die Auflösung der NATO und die Schaffung eines kollektiven Sicherheitssystems in Europa unter Einbeziehung Russlands.

Wir fordern das Verbot von Waffenexporten und die Umstellung von Rüstungs- auf zivile Produktion.

„Bündnis 8. Mai“